I WANNA BE CLOSER TO THE STARS....

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Eisfische

Es brennt zu heiß, dieses Feuer. Es gefährdet die Ruhe, den Frieden, die Stabilität des Eises.

Einbruch.

Auf die Kälte wartend, zähle ich die Tage.
Mein Blick kann Dich nicht erweichen, obwohl er Uhren anhält und die härtesten Steine zum Schweigen bringt.
Ich zähle die Tage hinter den Eiskristallen und spüre zum ersten Mal eine Kälte.

Dies ist Sibirien. This is my oblivion...

Hier gibt es nichts ausser dem wunderschönen Schweigen der Kälte, der wunderschönen Klarheit der klirrenden Worte und der tiefen Zufriedenheit der Einsamkeit.

Einbruch.

Ich merke wie die Eisschollen sich verschieben, ich schwanke, ich sehe die Nebel heraufziehen. Ich habe Angst.

Doch ich weiß, mit jedem Tag, den Du Dich weiter entfernst, wird es wiederkehren: das Eis.

Ich werde des Nachts den Himmel beobachten, meine Angel auswerfen, und sie erneut sammeln - die kleinen Eisfische.
Sie werden mir zuschwimmen, zutraulich, liebevoll und ich werde sie auf das kostbarste Eis legen, das ich finden kann.
Champagnerfarben, gesprenkelt und sich nur fern an Schmerzpunkte erinnernd.

Ich freue mich auf diesen Tag, den ich nur erahnen kann.
Bis dahin schneide ich mich an den Eiskristallen, erfahre dass Tränen aus Wasser sind, Worte aus Blut und versuche das Feuer zu löschen.

Dies ist Sibirien. Und das soll es auch bleiben.

An allem anderen würden wir zugrunde gehen.

Grundeis.

[zeit][lose]

1 Kommentar 17.10.07 10:13, kommentieren



SternSteine

Weiche Worte heute, von unbestimmten Stellen, aus unerwarteten Tiefen.
Aus der Wärme und der Erinnerung in den Regen und den Herbstschatten geflüchtet und eine andere Eisjägerin getroffen...Worte und Fluchtpunkte getäuscht.
Eine Berührung, die den Atem gefrierenliess und Lust auf mehr machte.

Keine Fragen.
Worte in kleine Eiswürfel eingefroren und den Schatten der Sonne betrachtet, die andere geliefert bekamen. Sich nach der Kälte sehnen, dem Abstand. Immer noch. Immer wieder.
Keine Antworten.
Fragen in kleine Eisschollen packen und sie zwischen die Fische legen, den Schatten des Mondes umarmen und den Bericht der Sternlosen lesen.

Wie jeden Abend dieser traumlosen Zeit.

Wandere auf den Spuren der Mondkatze und falle tief in einen zeitlosen Schlaf.

Weckt mich wenn die Eiszeit beginnt.

18.10.07 22:40, kommentieren

Schatten.schweigende

Die Schatten werfen sich selbst voraus. Ich habe beobachtet wie sie über den Horizont gekrochen kamen und sie begrüßt, wie alte Bekannte.

 

Sie haben mir Briefe aus der Ferne gebracht, deren Inhalt ich unbesehen kannte. Die Aufforderung zu einer langen Reise.

 

Etwas schützenswertes muss im Eis begraben werden. Dabei habe ich gar keine Zeit, kein Interesse. Warum immer ich?

Ich spüre das leise Pulsieren der Briefe, die ich gegen die Hitze an meine Brust gelegt habe, den fordernen Drang der Auftraggeber. ich erinnerte mich an den Preis des Schicksals und streichelte leise über die Eisfische. Sie waren nur Teile eines Bildes, dass nie fertiggestellt werden würde. Nur ein Farbkleks von vielen, doch ich hatte sie liebgewonnen.

Ich wußte ich musste sie mitnehmen und aussetzen, oder aber sie zurücklassen und zusehen, wie das Feuer sie überrennen würde.

 

Beide Lösungen zerrten an den Steinen meiner neuen Mauer, ich verbrannte mir fast die Finger, als ich meine Hand darauf legte. Doch auch das war nur eine Zwischensequenz.

 

Ich musste es tun. Nicht weil es besser war. Nur weil es richtig war.

Für jene, deren Glück mir am Herzen lag.

 

Meins lag begraben, auf einem Friedhof eines anderen Sternes.

 

Vielleicht war das auch besser so.

 

Auch dieser Schmerz würde vergehen, wenn er je das Recht besessen hatte, sich so zu nennen.

 

Ich merkte, wie sie zurückkehrte, die Kälte.

 

Zum ersten Mal freute ich mich nicht.

 

 

 

20.10.07 21:45, kommentieren

Traum.lose

Ich habe ihnen Namen gegeben, den Eisfischen. Zwei von ihnen sind besonders zutraulich. Man bindet sich an Wesen, denen man Namen gegeben hat.
~Sie gewinnen Bedeutung.~

Ich werde sie wohl pressen und in die Erinnerungsmauer einfrieren, sie werden lächeln und sich von Träneneis ernähren.

Sie sind leuchtend blau, wie Augen es sein können, die noch nie den Abgrund gesehen haben.


Ich werde diese Reise antreten, ich habe gepackt, ich warte nur noch auf den Marschbefehl.


Vorher kitte ich die Spuren im Eis, verbarikadiere mein Iglu und lasse den weißen Raben zurück über alles zu wachen.
Er wird jenen Ratschläge erteilen können, die mich aufsuchen wollten.
Ich bin ersteinmal nicht mehr hier.


Ich habe eine paar Fische auszusetzen, ein paar Antworten auszuliefern, ein paar rettende Worte in den Wind zu sprechen, so dass sie gefrieren und als Tropfen zu Boden fallen, die ich heilsam weitergeben kann.


Ich wollte ein Denkmal aus Stein hinterlassen, doch es ist zu kalt, die Steine sind immer wieder gesprungen. Nun bleiben nur Blut und Worte - die ständig im Auflösen begriffen sind.


Morgens sehe ich die Eiskristalle tanzen, an den Fenstern, vor den Augen. Sie singen ein Lied, dass ich immer besser verstehe.
Wenn ich ihnen noch länger zuhöre, werde ich einst mehr verstehen, als nur den Text, der von Feuer träumt und von Regen.wäldern. Wenn ich länger schweige, werde ich mehr zu sagen haben, oder nichts mehr.

21.10.07 08:35, kommentieren

Spiegel.schatten

Diese Nacht ist zu hell.
Der Atem fällt klirrend zu Boden, noch höre ich ihn auf meinem Weg durch die Nacht.
Meine Gedanken drehen sich in Kreisen, ohne Anfang, ohne Ziel, doch mit einer Sicherheit, die nur in großen Fischschwärmen zu finden ist.


Du erzählst vom Feuermachen und dem Licht der Sterne. Wie warme Ketten legt sich die Wahrheit um Deinen Hals, geschmiedet aus Argumenten, gegen die es keine Kälte gibt.
Du schlägst Dir Fesseln um deine Angst und Verachtung um Deine Freiheit.


Ich stehe daneben und sehe wie das Blau zerrinnt.
Am Nachbartisch spielt ein kleiner Junge, mit jenem Blau in den Augen, dass nur die Fische und Unschuldigen kennen.
Ich möchte ein bischen weinen. Und den Sternen ein Lied vorsingen, ohne Melodie, ohne Text, ohne Sinn.
Und dabei weitergehen. Einfach weiter.


Nach dem Blick in diese Augen möchte ich nichts mehr sehen, der Schmerz ist bitterwarm, wie geschmolzene Schokolade, die auf meiner Zunge brennt und mich auffordert umzudrehen.
Wegzugehen ohne ein Wort.
Keine Chillischote könnte schärfer sein, kein Verstand kälter in diesem Moment.


Und kein Schmerz könnte je diese Lüge überdecken, die ich aufhören muss mir zu erzählen.


Ich kann mich nicht davon abhalten und schaue nocheinmal zurück zu dir.



Ich hoffe ein Teil von Dir wird nicht immer frieren, weil Du mich getroffen hast.


Ich schicke Dir die Eisfische in kleinen Dosen, hier ist es zu kalt um sie zu verbrennen.
Sie haben ihre Existenzberechtigung verloren.
Ich auch.


Der Film ist zu Ende, er war nie belichtet.
Ich bete dass auf den Negativen keine Bilder bleiben, die Dir böse Erinnerung sein können.



Nun suche ich die Nacht, vielleicht bietet wenigstens die Dunkelheit Schutz - vor jenem Blick im Spiegel, dem ich nicht standhalten kann.

21.10.07 22:59, kommentieren