I WANNA BE CLOSER TO THE STARS....

Jahrbücher

Ich hab sie ein wenig rausgekramt, die Jahrbücher, die Photoalben des letzten Jahres. Noch bevor sich der Staub der Erinnerung darauf niederlassen konnte, legte ich sie auf den großen schweren Tisch, direkt neben den Milchkaffee und die dunkle Honigkerze, die nach Herbstabenden und einer Schwermütigkeit riecht, die einem Blick nach hinten angemessen scheint. Warum ich es jetzt tue? Weil das Ende des Jahres naht, die Fragen sich häufen, und die Zeit nicht immer auf den 31. als Stichtag wartet. Genausowenig wie mein Herz.

 

Der Rauhreif überzieht langsam die Glühlampen und die Welt um mich scheint lichtüberflutet. Das Meer ruht, am Horizont sind keine Schiffe zu sehen und ich habe Zeit die Photos zurechtzuknicken, einzukleben und die Erinnerungen mit jener Liebe an mir vorbeiziehen zu lassen, die sie verdienen.

Ich habe das Licht gedimmt, die Klippen sind umschifft und meine eigene Seefahrt durch das Jahr kann beginnen, bevor ich die Erlebnissteine dann morgen in der Erinnerungshalle aufhänge und die Heldengräber schmücken gehe.

 

Bilder

 

# Whiskey, zuviel, zuschnell, Musik, eine Zigarette am offenen Fenster - bei mir, bei ihm. Immer wieder. Gespräche im Kreis. Gespräche ohne Hoffnung, doch voller Gefühl.

 

# Angst die eigene Wohnung zu betreten, Feindschaft, Vertrauensverlust. Sich die Haare aus dem Gesicht streifen. Wände malen - und wieder malen. Wieso waschen sie ihre Steckdosen nicht von innen?.

 

 # Nie wieder in diese Stadt zurückkehren wollen - und eine wunderschöne Rückkehr - Sehnsucht, Gefühle. Herzensmenschen. # Der Schwarzwald. Rückkehr - Anfang einer langen Reise im Frühling - und vorläufiges Ende einer langen Ära im November.

 

# Die Nähmaschine, das Streiken, die Wolle, die Plätzchen - häusliche Zufriedenheit.. Ich werde alt, und das gerne.

 

# Die Hand auf ein fremdes Herz gelegt. Verbrannt. Es wieder getan.

 

# 6jährige Mails gelöscht. Ohne Schmerz, ohne Verlust. Es war eine schöne Zeit.

 

# Endlich die Abschlussurkunde - und nichts gelernt in all der Zeit.

 

# Eine Nummer löschen, und eine andere wiederwählen. Ein leiser, stürmischer Beginn - Angst, Freiheit - ein Neubeginn.

 

# Briefe bekommen, gefühltes Papier, gelebte Distanz. Wärme, Feuer. Aus allen Ecken und Richtungen. Digitale Dissonanz.

 

 # Eat. pray. love - lesen, immer wieder.

# Der Mond über einem Feld. Klirrendkalte Nacht. Verstummende Tränen. Sprachlosigkeit.

 

# Eine schwarze Winterjacke kaufen, zur Belohnung.

 

 # Der Arbeitsamtsachbearbeiter, Fragen auf die es keine Antworten gibt.

 

# Mein kleines weißes Handy, meine Homezone...

 

# Sehen wie er sie küsst, ihn nicht küssen können - und es deshalb um so mehr wollen.

 

# Geburtstagskuchen backen.

 

# Schallplatte statt CD. This is my Quiet Place.

 

# Sibirien finden, verlassen, behalten.

 

# Der Blick in den blauen Spiegel.

 

# Das große Klerikalgebäude nach 7 Wodka Lemon.

 

.....

25.12.07 20:11

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